Gerhard A. Pfeffer
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09.11.2006, 11:42 Wie man PR nicht machen sollte
PKV: Die verwirrende Geschichte eines PR-Desasters
Seit der Veröffentlichung "Verhalten des PKV ist auch ein PR-Skandal" vom 31. Oktober im "PR-Journal" hat sich so viel zugetragen, dass es hier nur zusammengefasst wiedergegeben werden kann. Die Sache ist aber auch bedeutend für die Ethik der PR-Branche, beispielhaft für amateurhafte Public Affairs und für überheblichen, falsch verstandenen Lobbyismus. Deshalb ist es gut, dass sich am 10. November der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) unter Vorsitz von Horst Avenarius mit der Causa Protestaktion des PKV Verband der privaten Krankenversicherung befasst.
Zunächst hatte der PKV für seine Mitgliedsunternehmen einen Muster-Protestbrief verfasst und diese gebeten, die Briefe an ihre Versicherten weiterzugeben, damit diese dann in einer massenhaften Protestaktion Post an ihre Wahlkreisabgeordneten nach Berlin schicken sollten. Am 30./31. Oktober ist nun durch Pressemeldungen und öffentliche Äußerungen der SPD-Abgeordneten Andrea Wicklein, Marlies Volkmer und Frank Schmidt der Verdacht geäußert worden, dass einige der eingegangenen Briefe zumindest in ihrer Unterschrift gefälscht waren und die angeblichen Absender nichts von "ihren" Briefen wussten. Ein gefundenes Fressen für alle Medien von der FAZ, Spiegel, Handelsblatt über Tagesschau und Ärzte-Zeitung (seltsam nur dass "Bild" noch nicht laut gegeben hat). Und auch die Bundesregierung bat in Person des Staatssekretärs Klaus Theo Schröder vom Bundesministerium für Gesundheit um Aufklärung über die Unterschriftenaktion (vielleicht sollte Michael Kris vom "Management Report Health" Nachhilfe in Staatsbürgerkunde nehmen, um zu erfahren, dass ein Staatssekretär nicht für sich spricht, sondern immer für die Regierung - die Kanzlerin kann ja nicht alles machen).
Da der Beitrag für ein Forum zu lang ist (aber als Diskussionsvorlage wichtig) bitte hier weiterlesen:
http://www.pr-journal.de/redaktion/branche/pkv-die-verwirrende-geschichte-eines-pr-desasters.html
Was meint die Branche zur PKV-Protestbrief-Aktion und dem Verhalten danach?
Grüße aus Siegburg!
Gerhard A. Pfeffer, Chefredakteur "PR-Journal"
Justin Westhoff
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18.11.2006, 18:32 Internetseite über PR-Verfehlungen
Pfeffer hat ja so recht.
--
Wir haben seit Kurzem eine Internetseite, auf der man sich über Vermischung von PR und Journalismus aufregen und austauschen kann. Die Seriösen auf
beiden Seiten des Schreibtischs haben ja aus guten Gründen daran Interesse.
Für Anregungen bin ich immer dankbar.
Also 'mal hier schauen:
http://www.mwm-vermittlung.de/prwatch.html
--
Kollegiale Grüße
JW
MWM-Vermittlung
Ulf-Hendrik Schrader
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18.11.2006, 23:08 Redaktionspromoter
Hallo Herr Westhoff,
durch Ihren Beitrag neugierig geworden, war ich gerade mal auf Ihrer Website und habe dort etwas wiederentdeckt, was mich schon vor einigen Wochen bei Erstsichtung unangenehm berührt hatte und prima zum Titel dieses Threads passt: Wie man PR nicht machen sollte.
Konkret geht es um das Angebot der ofischer communication GmbH, aus dem ich einfach mal zitiere:
Zitat:
Emotionale und pekuniäre Benefits
Die Teams für die Redaktionspromotions müssen nicht den gleichen Anforderungen genügen wie PR-Consultants. Denn ihr Auftrag ist ein ganz anderer. Sie sollen ausgewählten Journalisten ein kleines Highlight in ihrem Redaktionsalltag bescheren. Damit sich der Journalist später positiv an den Kontakt mit dem Produkt und den dazugehörigen Botschaften erinnert. Wie das geht? Das Tool Redaktionspromotion nutzt die gängigen Vorteile von Promotions: Attraktive, sympathische Menschen überreichen dem Empfänger (hier dem Journalisten) ein kleines aber liebevoll ausgesuchtes Präsent.
Geschäftsführer Fischer: „Diese charmante Geste wird von den Journalisten in aller Regel äußerst positiv aufgenommen, ebenso wie die mitgelieferten Informationen. Und wenn der Promoter, trotz vorheriger intensiver Schulung, einmal nicht mehr weiter weiß, kann er jederzeit sein Back Office in der Agentur kontaktieren.“ Dort beantwortet der zuständige PR-Consultant direkt die Fragen des besuchten Journalisten, spricht persönlich mit ihm am Telefon. Selbstverständlich treten die Redaktions-Promotion-Teams in dezent gebrandeter Kleidung auf, ggf. mit gebrandeten Taschen und Präsenten. Und der ganze Auftritt ist immer CD-konform.
Was sagt man dazu?
Ich stelle mir gerade vor, wie ein braungebrannter Promoter mit Bayer-Emblem auf seinem Anzug die Redaktionsräume der Zeit betritt, einen Korb voller Vitamintabletten verteilt und Scheinchen wedelnd ("pekuniäre Benefits") an die Auftrag gebende PR-Agentur verweist, sobald er etwas gefragt wird.
Wem fällt ein noch lustigeres Szenario ein?
Justin Westhoff
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20.11.2006, 10:34
Danke, lieber Kollege.
Ja, da kann man sich noch 'ne Menge unethischen Blödsinn ausdenken.
Die "emotionale PR" von o fischer habe ich ja auf der Seite
www.mwm-vermittlung.de/prwatch
schon beschrieben.
Beste Grüße
JW
Anja Floetenmeyer
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22.11.2006, 10:55
...mindestens grenzwertig finde ich das Angebot von Meetic/Scholz & Friends für Redaktionen Umfragen auszuführen:
Sie sind überrascht über einige Umfrageergebnisse und haben die Einstellung der Deutschen zum Heiraten anders bewertet? Oder interessiert sie außerdem,
* was sich ein Paar zur Hochzeit wünscht?
* was die beliebtesten Ziele für eine Hochzeitsreise sind oder
* wie lange man seinen Partner kennen sollte, bevor man ihn heiratet?
Wir beantworten gerne Ihre Fragen und senden Ihnen die Ergebnisse der Umfrage kostenlos zu.
Ein Abdruck erfolgt honorarfrei (...)
Quelle:
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=060629029
_________________
Some are wise - some otherwise
Justin Westhoff
NeuzugangAnmeldedatum: 18.11.2006
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22.11.2006, 11:39
((irgendwie ist mein erster Versuch einer Antwort im Cyeberspace verloren gegangen))
--
Vielen Dank, liebe Kollegin Floetenmeyer, für den Hinweis.
Ich verstehe die Geschichte aber so: Scholz & Friends haben für Meetic eine Umfrage gemacht (wurscht, wie man persönlich das Thema findet), einige Ergebnisse ins web gestellt und angeboten, Fragen von Redaktionen zu beantworten.
Und die etwas unglückliche Formulierung "Ein Abdruck erfolgt honorarfrei" soll heißen, dass der Abdruck für Medien honorarfrei ist. Dies ist üblich (auch wenn es schöner wäre, wenn da "Verwendung" stünde und wenn Journalisten auch mal nachrecherchierten), solange die Quelle genannt wird.
In so weit sehe ich keine Verstöße gegen Standards und Codices. Oder habe ich das falsch verstanden?
Anja Floetenmeyer
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22.11.2006, 11:49
Hallo,
den Satz
"Wir beantworten gerne Ihre Fragen und senden Ihnen die Ergebnisse der Umfrage kostenlos zu." verstehe ich als Einladung, auch weitergehende Fragen per Mitglieder-Umfrage zu beantworten.
Seis drum. Warum eigentlich nicht.
_________________
Some are wise - some otherwise
Josefa Eichenseher
Gast
22.11.2006, 18:13
hallo,
vor ein paar Monaten hatte ich bei einem bekannten Journal im Bereich Elektrotechnik angefragt, ob Interesse bestünde eine von der Firma bei der ich momentan arbeite durchgeführte Veranstaltung zu besuchen, natürlich mit dem Hintergedanken, dass vielleicht ein Artikel oder Nachbericht darüber geschrieben wird.
die zuständige Journalistin sagte mir, sie würde die Veranstaltung besuchen und einen Artikel veröffentlichen unter der Bedingung, dass eine (großformatige und teuere) Anzeige geschaltet würde.
meiner Erfahrung nach ist das ein Einzelfall. Die anderen Journalisten und Zeitschriften mit denen ich zu tun habe und hatte, und das waren doch schon etliche, haben immer strikt darauf geachtet, dass sich Anzeigen und Artikel nicht überschneiden und auf keinen Fall voneinander abhängen bzw. Anzeige und Artikel der gleichen Firma in der gleichen Ausgabe einer Zeitung/Zeitschrift wird nach Möglichkeit vermieden.
Den Fall, dass Pressetexte komplett oder auszugsweise ohne sonstige Veränderung einfach übernommen werden, hab ich schon öfter gesehen.